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Abschiede

Wir haben es gerade 00:41 Uhr, zumindestens sagt mir das meine PC-Uhr. Ich finde es ist die angenehmste Zeit um mit dem Schreiben anzufangen, so als Abschluss des Tages bevor man sich in die Kissen sinken lässt und versucht einzuschlafen. Das Wort „versucht“ habe ich bewusst gewählt, denn es ist jede Nacht erneut ein Kampf mit dem eigenen Gedanken um die Vorherrschaft des Bewusstseins oder anders gesagt: Tausende von un- bis wichtigen Gedanken jagen einen genau in diesen ruhigen Minuten durch den Kopf, wobei man sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht, als die Augen zu schließen und frei von allem zu sein. Nicht selten passiert es mir das ich nächtelang wach liege und mir den Kopf über etwas zerbreche was ich den Tag über erfolgreich verdrängen konnte. Ich denke solche Nächte kennt jeder von euch, es fühlt sich manchmal so an als ob eine schwere Last den Brustkorb zusammen drücken würde und dies zur Folge hat das einem die Luft abgeschnürt wird zusätzlich gibt es noch aufsteigende Hitze die fast den gesamten Körper einnimmt. In solchem Momenten wünscht ich mich tief vergraben oder zu mindestens in den Bettkastens meines klapp Sofas – Hauptsache gut versteckt -. Auch eine Angewohnheit von damals, ich hatte ein sehr kleines Zimmer bei meinen Großeltern, vielleicht 3m² groß? Ich weiß sowas nicht einzuschätzen, jedenfalls hatte ich mein Bett an der Dachschräge so das das Bett nicht bündig an der Wand stand, sondern das dazwischen Platz war - Platz genug für einen kleinen Menschen -. Jedes Mal wenn ich das Bedürfnis hatte mich von allem zurück ziehen zu wollen um meine Ruhe zu haben, zwängte ich mich zwischen Bett und Wand, legte noch ein paar Stofftiere über mich um so gut getarnt zu sein. Heute denke ich das ich zu Alt bin um mich zu verstecken, und doch wenn ich ehrlich zu mir selbst bin tun ich es noch immer nur das dieser kleine Spalt nun gewachsen ist und liebevoll „Dunkelkammer“ von mir getauft wurde. Mein jetziges Zimmer ist 7m² „groß“ und ist der Ort der wohl meine gesamte Persönlichkeit widerspiegeln würde wenn ich jemanden Eintritt gewähren dürfte. Ich wurde zwar immer zur Ordnung erzogen doch traf es immer auf unfruchtbaren Boden so das es auch jetzt noch sehr Chaotisch bei mir ist. Wenn wir etwas weiter in meine Psyche gehen ist es nur die Bestätigung der alten Regel: „Wie innen, so auch außen“ Allerdings ist es mir bisher noch nicht komplett gelungen mein Zimmer im Zusammenhang mit meiner Person zu analysieren. Fast bin ich mir schon sicher das dieser Blog mir helfen wird dahinter zu steigen. Meine Persönlichkeit, mein „Ich“ besteht aus so vielen Teilen, welche ich irgendwo in meinem gedanklichen Chaos gespeichert habe, mir aber jedoch die Ordnung fehlt um eine nüchterne Charakteristik über mich zu schreiben, wobei ich denke das es wohl die Menschlichkeit ist, die meine niedergeschriebenen Gedanken erst lesenswert machen. Vielleicht gibt es ja einen Leser der sich in manch einer Zeile wiederfindet oder selbst Elternteil ist und auch nun die andere Seite kennen lernt. Wer weiß das schon...01:13 Uhr kleiner Zwischenstand, ich wollte mich beim Schreiben selbst mal kontrollieren, ich mache mir nie vorher große Gedanken was ich wohl schreiben werde oder sollte, es sind spontane Eingebungen die flüssig die Fingerkuppen über die Buchstaben der Tastatur gleiten lassen.

Vor ein paar Jahren, etwa um diese Zeit herum sind in ein paar Jahren Abstand dazwischen zuerst meine Ur-Oma und später dann mein Ur-Opa gestorben. Magarethe und Walter so hießen sie wobei ich Magarethe als sehr edel empfinde, also den Namen, er hat etwas erhabenes etwas was wie Musik in den Ohren klingen lässt wenn man diesen Namen halb deutlich und zum ende dann hin halb gehaucht ausspricht. Die beiden waren das absolut beste was ich aus den Verwandten mütterlicherseits bekommen hatte. Sie waren immer und ohne Ausnahme gut zu mir, in ihrem Augen konnte ich immer die Enttäuschung sehen als ich mich immer mehr zurück zog. Sie bemerkten damals aktiv die Veränderung die in mir vorging und das war ca. vom 3. bis 10 Lebensjahr. Am Anfang als meine Mutter mich auch hin und wieder bei ihn absetzte suchte ich nach Magarethes Nähe und ich bekam sie auch, so wie ich es brauchte. Ich liebte die Wochenenden bei den Beiden und ich war meistens sehr traurig wenn ich wieder von ihnen Weg musste. Doch mit der Zeit veränderte ich mich und auch die Kontaktaufnahme wurde immer verhaltener, weil ich es einfach nicht mehr konnte, ich konnte diesen simplen Satz „Nimmst du mich in den Arm Oma/Opa“ nicht mehr sagen und so entfernte ich mich immer weiter von den geliebten alten Menschen. Magarethes tot traf mich wie ein Schlag ins Herz. Sie war an Krebs erkrankt das wusste ich zwar aber man hatte mir nicht gesagt wie schlimm es um sie stand ( warum auch, war ja erst 11!?). Damals war ich mit meinen anderen Großeltern, bei denen ich ja wohnte, in Urlaub geflogen Tennariffa, Mallorca oder so, auf jedenfall irgendeine von diesen Inseln. Ich glaube es war einer der wenigen angenehmen Reisen mit meinen Großeltern mit wenig Streit und kindlicher Unbefangenheit. Sie sagten mir nichts, den ganzen Urlaub über, hatten sich nichts anmerken lassen und als wir wieder nach Hause flogen holten uns mein Vater und dessen Freundin Inna ab. In der heimischen Küche angekommen setzte ich mich selig lächelt auf den Stuhl und war bereit meinem Vater von meinem Urlaub zu erzählen. Inna war etwas stutzig und meinte so Lapidar das ich es wohl gut verkraftet hätte, etwas irritiert sah ich sie an und fragte natürlich was sie damit meinte, „Na den Tod von deiner Oma“, am Rande bemerkte ich wie meine Oma panisch Inna anguckte und mein Vater leise meinte das ich davon noch nichts wüsste. Ich selbst war erst mal geschockt, anders kann man diesen Zustand nicht beschreiben, weit aufgerissene Augen, ausgesetzte Atmung und ein Gefühl der unendlichen Übelkeit. Kurze Zeit später brach ich apathisch in Tränen aus und hyperventilierte, mein ganzer Körper zitterte und ich merkte wie es anfing in den Fingern aufgrund der flachen Atmung, stark zu kribbeln. Sie schütteten mich mit Baldriantropfen zu und tröstliche Worten wie „nun ist eh zu spät“ sollte mich wohl beruhigen...sonst taten sie nichts außer mich vielleicht 5 min so anzusehen und dann mich allein zu lassen. Ihr Tod nahm mich sehr mit, mehr als meine Familie es gut hieß, 2 Tage später war ich noch immer regelmäßig am weinen und an diesem Tag gab es dann wieder einen dieser Schlüsselmomente. Meine Oma war einkaufen gefahren und als sie wieder kam war in wieder in Trauermiene verfallen, hatte dementsprechend gerötete Augen und den glasigen Blick. Ihre Worte „Was? Hast du schon wieder geweint? Davon wird sie auch nicht mehr lebending! Das muss nicht sein, reiß dich doch mal zusammen, irgendwann ist auch mal gut..!“

Kleiner Absatz denn diese Worte muss man erstmal auf sich wirken lassen. Ich war 11... verdammte 11 Jahre alt und sollte meine Gefühle unterdrücken? Ich war ... so entsetzt und beschämt zu gleich das ich mich wieder ein Stückchen zurück zog und ihren Anweisungen gefolgt bin. Ich wollte nichts mehr als Trost und Zuspruch aber ich sollte lernen allein mit mir klar zu kommen und so wuchs etwas in mir, still und heimlich, ein kleiner Keim der stetig sich entwickeln würde, der tiefe Abneigung gegen diese Familie versprach. Die Beerdigung von Magarethe Müller war in der letzten Urlaubswoche so das ich mich nicht von ihr verabschieden konnte.

Walter Müller erkrankte kurz nach seiner Frau auch an Krebs auf meiner Konfirmation war er noch, auf der Goldenen Hochzeit von meinen Großeltern ebenfalls und dann ging´s Berg abwärts, er hatte 4 mal den Krebs besiegt und als er das 5te mal ausgebrochen ist nahm er mich bei meinem vor letzten Besuch an die Seite und meinte „du Liebes, ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr, sei mir nicht böse“. Ich biss mir auf die Lippe um nicht weinen zu müssen und nickte verstehend und dann gingen wir wieder rein. Ich besuchte ihn erst wieder als er im Krankenhaus lag und es noch nicht ganz zu Ende mit ihm war. Er sah schlimm aus, doch er lächelte extra für mich und meinte das ich mir meine Sorgen machen müsste... 2 Tage später erhielt ich auf der Arbeit eine Sms von meiner Cousine die dann mir so mitteilte das er in der Nacht verstorben ist. Meine Kolleginnen sahen mich fragend an als ich mich kurz bei ihnen abmeldete, instinktiv hatte ich mir die äußerste Ecke des Kindergartens gesucht (Seperater Kleidungsraum zum dem die Kinder zu der Zeit keinen Zugang hatten) und weinte wieder im Stillen für mich. Nachdem eine Kollegin versucht hatte mich zu trösten hatte mich meine Chefin nach Hause geschickt – zu der Zeit muss ich so um die 16 herum gewesen sein, so wusste ich ja wie ich zu reagieren hatte und weinte bis zu der Beerdigung nicht mehr. Auch dort hatte ich mir vorgenommen nicht zu weinen. Ich hatte mich schick für Walter gemacht, hab mich so angezogen und geschminkt wie ich mich am wohlsten fühlte- Weiß geschminktes Gesicht, schwarze Augenränder, rote Lippen und ein schwarz-rotes Sammtkleid am Körper- So bin ich selbstbewusst (zum ersten mal) zu der Beerdigung gegangen um mich zu verabschieden, ich hörte wie einige es als Geschmacklos, Unangemessen und Gotteslästerlich bezeichnet hatten aber es war mir egal. Mein Onkel erlaubte mir mich mit in die erste Reihe zu setzen – ergo für die engten Familienmitglieder – Selbst meine Mutter saß 2 Reihen hinter mir. Schon währen der Trauerrede musste ich auf schluchzen und das vor allen anwesenden Verwandten, die um mich versammelt waren und nichts half um dies zu unterdrücken. Als es dann zum Grab ging und eine Rose hinein werfen durfte waren sämtliche Dämme gebrochen und ich war fast nur noch eine einzige Träne, von hinten stocherte wieder meine Oma in mein Ohr „nun ist gut, reiß dich zusammen“. Es schien mir als ob es ihr unangenehm war das ich meine Gefühle offen zeigte, mein Onkel vertrat mich mit einem „nun lass sie doch“ wobei auch er seine Tränen kaum zurück halten konnte. An dem Tag war Mutter zum ersten und letzten Mal meine Verbündete, denn sie nahm mich in den Arm weinte mit mir. In dem Moment war all der Groll gegen sie vergessen und es war einfach nur ein Halt da.


02:24 Uhr – Schon seltsam das allein die Erinnerungen an soetwas den Menschen dazu bringen kann in tränen zu zerfließen als sei es Gestern gewesen und obwohl es so lange her ist berührt es mich noch immer zu tiefst. Ich würde am liebsten in diese Geschichte rein gehen, zu meinem jungen Ich gehen und sie -mich- in den Arm nehmen, mich trösten, sagen das es ok ist Gefühle zu zeigen in der Hoffnung das ich mich vielleicht ändern würde... Aber es geht nicht und wird nie gehen. Liebe Leser... tut mir einen Gefallen, tut sowas bitte nie euren Kindern an. Sie werden ihr Leben lang darunter leiden wenn sie es nicht schaffen sich von angelernten Verhaltensmustern zu lösen. Das soll es dann auch für diese Nacht gewesen sein 02:29 Uhr ist es und ich verabschiede mich mit einem theatralischem Seuftsen.


So Long Datuaria

Kleiner Nachtrag:

Ich habe 2 Blider hoch geladen -Vorher - Nacher- Vergleich

19.10.06 12:09
 


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